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AZAD


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AZAD
Stand: 17.07.2007 - 17:34

Ohne falsche Bescheidenheit und souver?n wie ein Meisterboxer pocht Azad auf die Krone im deutschsprachigen HipHop. Der K?nig der Reime, der als 10j?hriger von seinen ?lteren Cousins in Paris ein Breakdance-Tape geschenkt bekam und mit 14 zum ersten Mal hinter dem Mikro stand, fordert Respekt. Hart und direkt, ganz wie es seine Art ist.

?Mir war im Vorfeld des neuen Albums klar, dass ich einen Schritt weitergehen musste. Eine weitere Battle-Platte h?tte f?r mich in gewisser Weise Stillstand bedeutet und so sind von den 16 Songs des Albums nur noch drei, vielleicht vier klassische Punchline-Tracks, auf denen ich voll auf die Kacke haue. Mir war es wichtig, auch mal andere Bilder in meinen Geschichten von der Stra?e zu verwenden.? Da geht es etwa in ?Krankfurt? um einen d?steren Blick auf die Schattenseiten seiner Hometown. W?hrend in den Bankt?rmen das globale Business regiert, rutschen die Junkies immer tiefer ab. ?Die Stadt, in deren Adern Crack flie?t - es macht krank, wenn du den Dreck siehst?
hei?t es in einer Zeile. ?Ich bin ?berzeugter Frankfurter, das habe ich in der ?Faust des Nordwestens? bereits deutlich gemacht?, sagt Azad. ?Doch nichtsdestotrotz zeige ich auch die kaputten Seiten meiner Stadt. Regionalpatriot zu sein bedeutet f?r mich nicht, die Augen vor der Realit?t zu verschlie?en.?

Mit seiner Familie kam Azad (= ?Frei?) 1974 im Alter von neun Monaten aus dem kurdischen Teil des Irans nach Frankfurt. Die Eltern waren politisch aktiv, die Mutter hatte in der Heimat Psychologie studiert. ?Meine Erziehung war liberal und weltoffen, doch die finanziellen Mittel blieben immer knapp.


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Das Wort `Sozialamt` kannte ich bereits mit vier Jahren? erinnert sich Azad. ?Es war halt ein Durchk?mpfen, das lange gepr?gt war von einer starken kurdischen Identit?t. F?r die t?rkischen Kids war ich halt der `Bergt?rke` und die anderen wussten nicht, dass es Kurdistan ?berhaupt gab. Der fr?he Kontakt mit HipHop war ein entscheidender Moment. Hier gab es pl?tzlich eine neue, k?nstlerische Ausdrucksform, die zu meinem wichtigsten Antrieb wurde. Rap war pl?tzlich Teil meiner Erziehung. Eine krankhafte Liebe, die bis heute andauert.? Azad schloss die Realschule ab, sprengte aber danach ganz bewusst alle Br?cken zu einem b?rgerlichen Berufsweg: ?Sport w?re die einzige Alternative gewesen. Basketball, Boxen, Wing Tsung ? da lagen meine weiteren Talente. Als Plan B hatte ich eine Weile lang im Kopf, vielleicht eine Kampfschule zu er?ffnen?. Die legend?re Rhein-Main-Crew Asiatic Warriors, mit der er Anfang der Neunziger als raue Vorstadttruppe diverse Shows rockte, erinnert an diese fr?he Phase. ?Eine Zeit der Umsonstkultur,? so Azad, ?wo man sich immer fragte, wie es wohl weiter geht.?

Sein alter Basketball-Kumpel Moses P. erkannte seine ?berragende B?hnenpr?senz und holte ihn 1997 zum 3p-Label. Ein erster Schritt raus aus dem Underground. ?Aus dieser Zeit stammt das Schlagwort von der ?Ein-Mann-Armee?. Schlie?lich wollte ich in allen Disziplinen mitmischen. Nat?rlich bin ich in erster Linie Rapper. Doch wer so lange mit HipHop verbunden ist, k?mmert sich
irgendwann um das ganze Spektrum der Produktion.? Eine breite musikalische Basis, die 2001 auf seinem Debutalbum ?Leben? und zwei Jahre sp?ter beim Nachfolger ?Faust des Nordwestens? zum Ausdruck kam. Schon damals standen harte, k?mpferische Tracks kleinen Beat-Kunstwerken und fast schon elegischen R?n`B-Songs wie ?Drama? (mit Linda Carriere) oder ?Mein Licht? (eine Liebeserkl?rung an seine Tochter) gegen?ber. ?Diese Verbindung von Kopf und Herz, dieses best?ndige Streben nach Perfektion ist f?r mich ein Antrieb immer weiter zu machen und besser zu
werden.?

Mit dem Wechsel zu Urban und der Gr?ndung des eigenen Labels Bozz Music erreichte Azad 2004 endg?ltig jene wirtschaftliche und inhaltliche Freiheit, f?r die er so lange geackert hatte. Keine Notwohnung mehr in der Gesangskabine, wie er es auf seinem letzten Album "Der Bozz" im Song ?Reflektionen (in meinen Augen)? r?ckblickend beschreibt. Stattdessen eine eigene K?nstlerfamilie, die sich mit Jonesmann und den Jungs seiner Crew Warheit, Jeyz, Chaker und Sezai, aus den alten Homies zusammenfindet. Der Bozz ist nach all den Jahren zu einem Markenzeichen geworden, das ohne jede Kompromisse ganz oben in den offiziellen Charts mitmischt. Allein sein Album-Gipfeltreffen mit Kool Savas ?One? verkaufte im M?rz 2005 aus dem Stand ?ber 100.000 Einheiten. Azad hatte das n?chste Level erreicht.

?Ich musste mir also ?berlegen, wohin die Reise geht? fasst Azad die Arbeit zu "Game Over" zusammen. ?Schlie?lich wollte ich ja nicht zum Prediger werden. Bei mir flie?en die Zeilen immer noch aus einem kaputten Kopf. Ich bin definitiv Stra?e und erz?hle Geschichten aus dem Block. Das ist mein Style, den ich liebe und nur daraus kann sich ?berhaupt etwas entwickeln. Ich bleibe ein ehrlicher Asso-Rapper, der den Leuten nichts vormacht. Es ist eine Art Beton-Poesie.? Aus spontanen Gedanken (?99% der Lyrics ergeben sich so!?) entspringen dann neben der furiosen Standortbestimmung ?Game Over? (mit Jonesmann) reflektierende Soulsongs wie ?Mein Song?, in dem Azad sein Leben von den kurdischen Wurzeln bis heute Revue passieren l?sst oder das pers?nliche Statement ?Eines Tages? (mit Cassandra Steen). Tracks wie ?Wei?e Taube? (eine Friedenshymne mit Featuregast Xavier Naidoo) oder dem gemeinsamen Song mit dem bekannten kurdischen S?nger Sivian Perwer (?Stadtfalke?) unterstreichen Azad?s Vielfaltigkeit beim Spiel mit Poesie und Rhythmus. Immer wieder gibt es ?berraschende, verwirrende Wendungen, die Azad aus den ?krassesten Beats? herausgefiltert hat, die er finden konnte. Eine typische Bozz-Produktion eben. Musikalisch wie textlich ein Meisterst?ck der harten HipHop-Schule!

Quelle: Universal Music
Foto: Universal Music


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